Tommy Cash · Finanzen einfach erklärt.

Stand: 7. Oktober 2026

Du kaufst eine Aktie oder einen ETF und siehst direkt danach ein Minus im Depot. Das kann am Spread, dem Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, und an Ordergebühren, den Entgelten für deinen Wertpapierauftrag, liegen. Zusätzlich können sich die Kurse seit der Ausführung bereits verändert haben. [1][2]

Ein sofortiges Minus bedeutet deshalb nicht automatisch, dass du falsch gekauft hast oder dein Broker einen Fehler gemacht hat. Entscheidend ist, welchen Preis du bezahlt hast, welchen Kurs die App zur Bewertung verwendet und welche Kosten sie berücksichtigt.

Schauen wir uns das Schritt für Schritt an.

1. Geldkurs und Briefkurs: Welcher Preis gilt für dich?

Bei einem handelbaren Wertpapier findest du häufig zwei Kurse:

  • Briefkurs, auch Ask: der Preis, zu dem die Verkäuferseite Stücke anbietet. Möchtest du sofort kaufen, ist dieser Kurs dein Ausgangspunkt.
  • Geldkurs, auch Bid: der Preis, zu dem die Käuferseite Stücke nachfragt. Möchtest du sofort verkaufen, ist dieser Kurs dein Ausgangspunkt. [1]

Die Bezeichnungen kommen aus Sicht der jeweils anderen Marktseite. Für dich reicht zunächst: Beim sofortigen Kauf schaust du auf den Briefkurs, beim sofortigen Verkauf auf den Geldkurs.

Diese angezeigten Kurse gelten für bestimmte Stückzahlen und einen bestimmten Zeitpunkt. Sie garantieren nicht, dass dein gesamter Auftrag genau dort ausgeführt wird. Eine Limitorder, eine Preisverbesserung oder eine Ausführung zu mehreren Preisen kann zu einem anderen tatsächlichen Kaufkurs führen. Maßgeblich ist deine Wertpapierabrechnung. [2][3]

2. Der Spread erklärt den Abstand

Angenommen, ein Anteil wird mit einem Briefkurs von 100,10 Euro und einem Geldkurs von 99,90 Euro angeboten. Der Spread beträgt:

100,10 Euro − 99,90 Euro = 0,20 Euro je Anteil.

Bezogen auf den Mittelwert beider Kurse von 100 Euro sind das 0,20 Prozent. Bei Prozentangaben solltest du auf die Bezugsgröße achten: Eine Rechnung mit dem Briefkurs als Nenner liefert einen geringfügig anderen Wert.

Der Spread ist keine zusätzliche Rechnung, die dein Broker nach dem Kauf schickt. Er steckt im Unterschied zwischen den beiden Handelspreisen. Im Beispiel bekommst du beim Kauf für 100,10 Euro einen Anteil, für den die Käuferseite gleichzeitig nur 99,90 Euro bietet. [1]

Das Grundprinzip kennst du vielleicht vom Gebrauchtwagenhandel: Ein Händler kann für dasselbe Auto einen niedrigeren Ankaufspreis und einen höheren Verkaufspreis nennen. An der Börse ändern sich Preise und verfügbare Mengen allerdings laufend; die Spanne ist keine feste Händlermarge.

3. Ein vollständiges Beispiel: Kauf, Depotanzeige und sofortiger Verkauf

Eigenes hypothetisches Rechenmodell: Du kaufst zehn ETF-Anteile. Der Briefkurs beträgt 100,10 Euro, der Geldkurs 99,90 Euro. Für Kauf und Verkauf nehmen wir jeweils 1 Euro Gebühr an. Das sind keine aktuellen Anbieterpreise.

Wir halten beide Kurse für das Beispiel unverändert und unterstellen, dass alle zehn Anteile zu diesen Preisen ausführbar sind. Steuern, Ausschüttungen, Wechselkurse und weitere Entgelte bleiben unberücksichtigt. Laufende Fondskosten modellieren wir in dieser Momentaufnahme nicht separat. Das Beispiel ist keine Prognose und keine Aufforderung zum Verkauf.

Rechenschritt Rechnung Betrag
Kaufwert der zehn Anteile 10 × 100,10 Euro 1.001,00 Euro
Gesamter Kaufaufwand 1.001,00 + 1,00 Euro Kaufgebühr 1.002,00 Euro
Depotwert bei Bewertung zum Geldkurs 10 × 99,90 Euro 999,00 Euro
Differenz zum Kaufaufwand 999,00 − 1.002,00 Euro −3,00 Euro
Erlös eines sofortigen Verkaufs vor Gebühr 10 × 99,90 Euro 999,00 Euro
Verkaufserlös nach Gebühr 999,00 − 1,00 Euro Verkaufsgebühr 998,00 Euro
Ergebnis aus Kauf und sofortigem Verkauf 998,00 − 1.002,00 Euro −4,00 Euro

Warum die Anzeige anders aussehen kann als das Verkaufsergebnis

Vergleicht die App den Geldkurswert mit dem Kaufwert ohne Kaufgebühr, ergibt sich ein Minus von 2 Euro. Bezieht sie die Kaufgebühr ein, sind es 3 Euro. Eine noch nicht angefallene Verkaufsgebühr muss in der Depotanzeige nicht enthalten sein.

Im angenommenen sofortigen Verkauf würden dagegen 4 Euro Verlust entstehen: 2 Euro aus dem Kursabstand, 1 Euro Kaufgebühr und 1 Euro Verkaufsgebühr. Bezogen auf den gesamten Kaufaufwand von 1.002 Euro sind das rund 0,40 Prozent.

Du darfst die 2 Euro Spread nicht nochmals vom Verkaufserlös abziehen. Der niedrigere Geldkurs hat diesen Abstand bereits berücksichtigt. Auch beim Kauf lautet der Aufwand hier 1.001 Euro plus 1 Euro Gebühr. Eine zusätzliche Position „2 Euro Spread“ würde dieselbe Wirkung doppelt zählen.

Welcher spätere Verkaufskurs würde die Kosten ausgleichen?

Bei unveränderter Verkaufsgebühr von 1 Euro müsste der spätere Verkauf vor Gebühr 1.003 Euro einbringen. Für zehn Anteile entspricht das einem tatsächlich erzielten Verkaufskurs von 100,30 Euro je Anteil:

10 × 100,30 Euro − 1,00 Euro = 1.002,00 Euro.

Dann wäre in diesem Modell der gesamte Kaufaufwand ausgeglichen. Entscheidend ist der erzielbare Verkaufskurs; ein entsprechend hoher Briefkurs allein reicht nicht. Ob und wann dieser Preis erreicht wird, ist offen.

4. Was zeigt dein Depot tatsächlich an?

Ein Depot verwahrt und verbucht deine Wertpapiere. Die angezeigte Wertentwicklung ist eine Berechnung deines Anbieters. Du solltest deshalb prüfen, auf welchem Kurs, welcher Kostenbasis und welchem Zeitraum sie beruht.

Ein konkretes Beispiel: Trade Republic beschreibt in seiner deutschen Hilfe, dass das Portfolio-Diagramm auf Geldkursen basiert. Auch die nicht realisierten Gewinne und Verluste werden dort anhand der Geldkurse berechnet. Gebühren und Steuern fließen laut Anbieter in die absolute Portfolio-Performance ein. [4]

Das ist keine allgemeine Regel für sämtliche Broker oder jede einzelne App-Ansicht. Scalable Capital unterscheidet beispielsweise zwischen Gesamtrendite und Portfoliowert und beschreibt dafür unterschiedliche Berechnungen. [5]

Ein nicht realisierter Verlust ist ein rechnerisches Minus, solange du die Position hältst. Beim Verkauf wird das Ergebnis durch den tatsächlich erzielten Preis und die angefallenen Kosten festgelegt. Ein angezeigter Geldkurs ist dabei ein Anhaltspunkt, keine Zusage für deinen späteren Verkauf.

Für die Klärung helfen dir drei Unterlagen: die Kaufabrechnung, die Erklärung der jeweiligen Depotanzeige und die Kosteninformation für einen möglichen Verkaufsauftrag. Achte außerdem darauf, ob du „seit Kauf“ oder nur die Tagesveränderung anschaust.

5. Warum ist der Spread manchmal größer?

Liquidität und Stückzahl

Liquidität beschreibt, wie gut sich ein Wertpapier handeln lässt, ohne durch den Auftrag den Preis stark zu verändern. Wichtig ist nicht nur, dass ein Kurs angezeigt wird, sondern auch, wie viele Stücke dafür verfügbar sind. [2]

Das Orderbuch ist die Übersicht der Kauf- und Verkaufsaufträge an einem Handelsplatz. Reicht die angebotene Menge für deinen Auftrag nicht aus, können weitere Stücke zu anderen Preisen ausgeführt werden. Bei ETFs zählt zusätzlich die Handelbarkeit der Wertpapiere im Fonds; das sichtbare ETF-Handelsvolumen allein erklärt ihre Liquidität nicht vollständig. [2][6]

Handelszeiten und Marktbewegungen

Ein ETF kann in Europa handelbar sein, während ein Teil seiner zugrunde liegenden Märkte geschlossen ist. Dann lässt sich der aktuelle Wert seiner Bestandteile unter Umständen weniger sicher bestimmen. Spreads können sich dadurch ausweiten. Auch starke Kursschwankungen und wichtige Nachrichten können größere Spannen verursachen. [6]

Es gibt deshalb keine für alle Wertpapiere passende „beste Uhrzeit“. Prüfe, ob die für dein Produkt wichtigen Märkte geöffnet sind, und schau auf die tatsächlich angebotenen Kurse. Direkt zur Markteröffnung oder in hektischen Phasen ist ein enger Spread nicht garantiert.

Handelsplatz und Ausführung

Ein Handelsplatz ist der Markt, an dem dein Auftrag ausgeführt wird. Geld- und Briefkurse sowie verfügbare Stückzahlen können sich zwischen Handelsplätzen unterscheiden. Ein Vergleich ist nur sinnvoll, wenn du dasselbe Wertpapier, dieselbe Währung, möglichst denselben Zeitpunkt und deine Ordergröße betrachtest. [2][3]

Zwischen dem Blick auf den Kurs und der Ausführung kann sich der Markt bewegen. Eine Abweichung vom erwarteten Ausführungspreis heißt Slippage. Sie kann günstiger oder ungünstiger ausfallen. Spread und Slippage sind verschiedene Dinge: Der eine ist eine gleichzeitige Preisspanne, die andere eine Abweichung bei der Ausführung.

Ein breiter Spread allein beweist keine schlechte Brokerqualität. Für ein Urteil über eine konkrete Ausführung brauchst du passende Vergleichsdaten; einzelne Beobachtungen ersetzen keine systematische Messung.

6. Was ein Limit kann – und was beim Sparplan anders läuft

Eine Marketorder ist ein unlimitierter Auftrag, der zum verfügbaren Marktpreis ausgeführt werden soll. Dein endgültiger Preis steht beim Absenden nicht sicher fest. Mit einer Limitorder setzt du dagegen eine Preisgrenze: beim Kauf einen Höchstkurs, beim Verkauf einen Mindestkurs. [3]

Bei einem Kauflimit von 100,10 Euro darf der Ausführungskurs je Anteil höchstens 100,10 Euro betragen. Zusätzliche Ordergebühren kommen gegebenenfalls noch dazu. Das Limit ist also keine Obergrenze für deinen gesamten Rechnungsbetrag.

Ein Limit beseitigt weder den Spread noch spätere Kursverluste. Außerdem kann der Auftrag teilweise oder gar nicht ausgeführt werden, wenn kein ausreichendes passendes Angebot vorhanden ist. [6]

Beim Sparplan, einem regelmäßigen automatischen Kauf, legt der Anbieter den konkreten Ausführungsprozess fest. Üblicherweise wählst du Betrag und Rhythmus, statt für jede Rate selbst ein Kauflimit und eine genaue Uhrzeit festzulegen. Trade Republic beschreibt seine Sparplanausführungen beispielsweise als standardisiert und automatisiert. [7]

Prüfe die Regeln deines Anbieters. Eine gebührenfreie Sparplanausführung macht den Geld-Brief-Abstand nicht automatisch null. Die Einrichtung und Sparplankosten gehören ausführlicher zu ETF-Sparplan einrichten: Schritt für Schritt zum ersten Sparplan; hier geht es um den Unterschied zur selbst aufgegebenen Einzelorder.

7. Spread ist kein Aufschlag auf den Fondsvermögenswert

Bei ETFs gibt es noch eine andere Vergleichsgröße: den Nettoinventarwert, kurz NAV. Er bezeichnet das Nettovermögen des Fonds je Anteil. Ein ETF-Börsenpreis kann darüber oder darunter liegen. Das wird als Auf- oder Abschlag zum NAV bezeichnet. [8]

Der Spread vergleicht dagegen Geld- und Briefkurs miteinander. Ein NAV-Aufschlag vergleicht einen Börsenpreis mit dem Fondsvermögenswert. Das sind unterschiedliche Vergleiche. Auch der Bewertungszeitpunkt ist wichtig: Ein älterer NAV und ein aktueller Börsenkurs beziehen sich nicht zwingend auf denselben Marktstand. [8]

Die laufenden ETF-Kosten erklären wir in Was ist ein ETF? Funktion, Kosten und Risiken einfach erklärt. Sie sind keine zusätzliche Sofortgebühr, mit der sich jedes anfängliche Depotminus erklären lässt.

So prüfst du ein unerwartetes Minus

  1. Lies die Kaufabrechnung. Kontrolliere Stückzahl, tatsächlichen Ausführungskurs, Handelsplatz und Gebühren.
  2. Prüfe den Bewertungsmaßstab. Welchen Kurs und welchen Zeitraum verwendet die App? Sind Kaufgebühren einbezogen?
  3. Vergleiche Geld- und Briefkurs. Achte auf Zeitpunkt, Währung und verfügbare Menge. Ein inzwischen veränderter Spread erklärt die ursprüngliche Ausführung nicht allein.
  4. Rechne Anzeige und möglichen Verkauf getrennt. Stückzahl mal Bewertungskurs erklärt den Positionswert. Ein tatsächlicher Verkauf hängt zusätzlich von Ausführung und Verkaufsentgelten ab.
  5. Kläre verbleibende Abweichungen. Passt die Anzeige auch nach Berücksichtigung von Kursbewegungen und Kosten nicht zur Abrechnung, frage deinen Anbieter mit Auftragsnummer und Zeitpunkt nach.

Der typische Fehler: nur auf „0 Euro Ordergebühr“ schauen

Eine niedrige Gebühr ist hilfreich. Sie beschreibt aber nur einen Teil der Handelskosten. Vergleiche auch den ausführbaren Preis für deine Stückzahl. Ein niedrigeres Entgelt kann durch einen ungünstigeren Kurs aufgewogen werden.

Umgekehrt ist ein kleines anfängliches Minus kein ausreichender Grund, die gesamte Anlageentscheidung infrage zu stellen. Prüfe zuerst, wie es zustande kommt. Häufige Käufe und Verkäufe können den Kostenabstand wiederholt entstehen lassen.

Tommy-Cash-Merksatz: Prüfe Kaufpreis, Bewertungskurs und Gebühren getrennt. Der Spread steckt im Kursabstand; die Abrechnung zeigt, was du tatsächlich bezahlt oder erhalten hast.

Deine kurze Checkliste

  • Ich kenne Geldkurs, Briefkurs und den Spread meines Wertpapiers.
  • Ich habe Kaufgebühren und mögliche Verkaufsentgelte geprüft.
  • Ich weiß, wie meine App den angezeigten Wert berechnet.
  • Bei einer Einzelorder verstehe ich mein Limit und seine Grenzen.
  • Ich zähle den Spread in meiner Rechnung nicht doppelt.

Du musst nicht jede Kursbewegung sofort erklären können. Wenn du die beiden Handelspreise und die Kosten auseinanderhältst, kannst du ein anfängliches Minus deutlich besser einordnen.

Dieser Beitrag vermittelt allgemeines Finanzwissen und ersetzt keine individuelle Anlageberatung.


Quellen und fachlicher Prüfstand

Alle folgenden Quellen wurden am 7. Oktober 2026 abgerufen und inhaltlich abgeglichen. Es handelt sich um Primärquellen von Börsenbetreiber, Fondsanbieter und Brokern. Anbieterwerbung und Produktpräferenzen wurden nicht als neutrale Bewertung übernommen. Die britischen Vanguard-Quellen dienen ausschließlich der Erklärung der Handelsmechanik; britische Tarife oder Rechtsregeln werden nicht auf Deutschland übertragen.

  1. Vanguard: ETFs explained – Geld-/Briefkurs, Spread und Brokergebühren.
  2. Deutsche Börse: Erfolgsfaktor Liquidität – Spread, Orderbuch und Ausführung mehrerer Preisstufen.
  3. Deutsche Börse: ETFs besser mit Limit handeln – Preisgrenzen und Abweichungen vom angezeigten Kurs. Historischer Grundlagenbeitrag von Juni 2019; historische Handelszahlen wurden nicht übernommen.
  4. Trade Republic, deutsche Hilfe: Berechnung der Portfolio-Wertentwicklung. Anbieterangabe zur beschriebenen Portfolioansicht, keine allgemeine Aussage über alle Depotanzeigen.
  5. Scalable Capital: Gesamtrendite und Portfoliowert. Anbieterangabe zur Berechnung unterschiedlicher Ansichten.
  6. Vanguard: Best practices for trading ETFs – Liquidität, Limits, Schwankungen und Handelszeiten.
  7. Trade Republic, deutsche Hilfe: Wann werden Sparpläne ausgeführt?. Nur die standardisierte automatische Ausführung wird übernommen, keine konkrete Uhrzeit oder Tarifzusage.
  8. Vanguard: How do premiums and discounts work? – ETF-Börsenpreis und NAV.

Rechenmodell: Eigene frei gewählte Annahmen, keine Marktdaten oder Anbieterpreise. Prüfung mit Dezimalrechnung: Kaufaufwand 1.002 Euro; Geldkurswert 999 Euro; Nettoverkaufserlös 998 Euro; Verlust 4 Euro beziehungsweise 0,3992016 Prozent des Kaufaufwands. Kostendeckender tatsächlicher Verkaufskurs 100,30 Euro. Kein Zeit- oder Renditeversprechen. Keine Rechts- oder Steuerregeln im Artikel; Steuern sind im Modell ausdrücklich ausgelassen.

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